Berlin Gesture Center | Interdisziplinäres BGC-Kolloquium

 

Vortrag von Amelie Klambeck:

Klinische Zeichen psychogener Gangstörungen. Wege der dokumentarischen Rekonstruktion von als theatral wahrgenommenen Körperbewegungen – eine videoanalytische Untersuchung | Clinical-phenomenological signs of psychogenic disorders of stance and gait. Investigating the physical basis for movements perceived as theatrical using documentary reconstruction. A video study of 10 patients

Dienstag, 15. März 2005, 19 Uhr, Boltzmannstr. 3 (Raum 1105), 14195 Berlin (U-Bahnhof Thielplatz)


 

EINLEITUNG: Seit der Konzeptualisierung der Konversionsneurose sind klinisch-phänomenologische Zeichen der Störung bekannt. Trotzdem wurde keines dieser Zeichen positiv diagnostisches Kriterium der Diagnose nach ICD oder DSM. Nur auf einem metaphorischen Ebene entstand eine störungsspezifische Beschreibungssprache, die aus der Welt des Theaters schöpft. ZIEL: Ziel ist es ein störungsspezifisches Beschreibungssystem zu entwickeln, daß helfen soll bereits bestehendes Wissen über konversionsneurotische Bewegungsstörungen zu systematisieren und die Entwicklung der fehlenden, einheitlichen Beschreibungskategorien in Zukunft ermöglicht. Zu beiden Punkten werden erste Vorschläge gemacht bzw. Empfehlungen gegeben. Im Bezug auf den ersten Punkt liegt der Schwerpunkt der Arbeit auf der Suche nach einer empirischen Grundlage für den Gebrauch der Metapher Theater. MATERIAL UND METHODEN: Zehn Patienten mit konversionsneurotischer Bewegungsstörung wurden auf Video aufgenommen. Eine qualitativ-rekonstruktive Methode (entwickelt aus der Dokumentarischen Methode nach R. Bohnsack) wurde benutzt, um die großen Körperbewegungen der Patienten zu analysieren. ERGEBNISSE: Zwei Hypothesen wurden generiert: (1) Die großen Körperbewegungen der Patienten bilden eine empirische Basis für die Verwendung der Theaterterminologie. (2) Innerhalb der körperlichen Arzt-Patienten-Interaktion bestehen Hinweise darauf, daß diese eine ggf. wichtigere Basis für die Theaterterminologie sein könnten. FAZIT: Die körperliche Interaktion sollte umfassender untersucht werden.

INTRODUCTION: Clinical-phenomenological signs of motor conversion disorders are known since the conceptualization of these disorders. Still, none of theses features are (positive) clinical signs for ICD or DSM diagnosis. Only on the metaphorical level, one has developed a disorder specific terminology which has been drawn from the field of theatre. OBJEKTIVE: To develop a system of description that will help to categorize the existing knowledge about motor conversion disorders and advance a recommendation of necessary categories for the development of a common terminology in the future. The focus is put on the search for an imperical ground for the usage of theatre-terms. MATERIAL and METHODS: Ten patients with motor conversion disorders were recorded on video. A qualitative method (developed from the Documentary Method of R. Bohnsack) was used for the analysis of the physical movements of the patients. RESULTS: Two hypothesis were advanced: (1) The physical movements of the patients build an empirical basis for the usage of theatre terminology. (2) Within the physical doctor-patient-interaction, there are signs for an even stronger empirical basis for theatre terminology. This physical interaction should be explored closer.



Amelie Klambeck
Geboren 1971, Ärztin, bis September 2004 Promotionsstipendiatin des Graduiertenkollegs „Körper-Inszenierungen“ an der Freien Universität. Zwischenzeitlich Dozentin im Reformstudiengang Medizin an der Charité, Humboldt Universität Berlin. Mitarbeiterin von KIM, Arbeitsgemeinschaft für Kommunikation und Interaktion in der Medizin.